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Brüssel, 17. Juni 2004


Eine Verfassung
nur für eine EU des Binnenmarkts ?

Regierungschefs sollten auch an kommende Volksabstimmungen denken


Die niedrige Wahlbeteiligung bei der Europawahl und die Erfolge europaskeptischer Parteien haben es gezeigt : Der Europäische Einigungsprozess, das erfolgreichste Friedensprojekt weltweit, hat einen großen Teil seiner Anziehungskraft verloren.

Welcher Bürger unterstützt denn auch eine Union, die in der Öffentlichkeit zu einem großen Teil einseitig als Hüterin von Markt, Privatisierung und Wettbewerb wahrgenommen wird ?

Wenn die Verfassung nicht deutlich umsteuert und den wahren Stellenwert der gemeinsamen Werte, der Politischen Union und des sozialen Europas zeigt, droht auf lange Sicht das Scheitern des gesamten Projekts. Kein politisches Gebilde hat auf Dauer Bestand ohne die breite Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger.

Deshalb fordert die Europäische Union Christlich Demokratischer Arbeitnehmer (EUCDA), dass nunmehr im zweiten Anlauf

  1. Die Verfassung im Hinblick auf den bindenden Charakter der Grundrechtecharta zurückfällt. Juristische Tricksereien, die die Charta letztendlich überflüssig machen, werden unweigerlich zum Ablehnen der gesamten Verfassung in den anstehenden Referenden führen. Die europagesinnten Staats- und Regierungschefs dürfen sich auf dieses Spiel der Europagegner nicht einlassen

  2. eine Formulierung zum christlichen Erbe in den Verfassungsvertrag aufgenommen wird

  3. die Verfassung nicht hinter den aktuellen Stand der Europäischen Verträge zurückfällt (Beispiel : aktueller Vertragstext " hohes Niveau an sozialer Sicherheit ", Entwurfstext : " angemessene soziale Sicherheit ")

  4. die Ergebnisse des Konvents im Hinblick auf das soziale Europa bestehen bleiben (als Beispiel : Artikel I.3 : Vollbeschäftigung, auch in Teil III - Sozialklausel - übernehmen)


Schließlich ist es auf längere Sicht unabdingbar, die konkreten Verfahrensfragen (Teil III der Verfassung) anhand der Werte und Ziele, die Teil I vorgibt, zu überarbeiten. Die EU muss in allen Bereichen (z.B. Sozialschutz, Verbraucherschutz, Umweltschutz), wo sie einen europäischen Mehrwert bieten kann, handlungsfähiger werden. Der Übergang hin zu verstärkten Mehrheitsentscheidungen ist hier unumgänglich.

Ein Zurückfallen der Verfassung hinter den heutigen Stand des Sozialen Europa ist den Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln. Bei der Entscheidung über den Verfassungstext diesen Freitag sollten die kommenden Referenden mit bedacht werden.

 



Die Europäische Union Christlich Demokratischer Arbeitnehmer (EUCDA) besteht aus 23 Arbeitnehmerorganisationen aus 15 Ländern und ist eine Vereinigung der Europäischen Volkspartei (EVP).

Verantwortlich: Christoph Weisskirchen, Generalsekretär



Für weitere Informationen:

EUCDA
Europäische Union Christlich-Demokratischer Arbeitnehmer
c/o EVP, Rue du Commerce / Handelsstraat 10
B-1000 Brüssel

E-mail: EUCDA

 

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