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Kurzfassung
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Aktionsprogramm
der EVP
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Brüssel,
Mai 2004
Aktionsplan
für ein soziales Europa
2004-2009
Forderungen
christdemokratischer Arbeitnehmer für die Europäische Union
1.
Bei der Entwicklung der sozialen Aspekte bei der Erweiterung der EU
mehr als einen Zahn zulegen
Die
Verhandlungen der Europäischen Union mit den verschiedenen Beitrittsländern
bezogen sich auf die Kontrolle der Einhaltung der Menschenrechte, der
Entwicklung der Demokratie und demokratischer Institutionen sowie der
Marktwirtschaft, wie auch auf die Kontrolle und Begleitung bei der Umsetzung
des "acquis communautaire". Dieser letzte Punkt war für viele Beitrittsländer
eine besonders schwere Aufgabe.
Die
EUCDA tritt dafür ein dass darüber gewacht wird, dass sich die sozialen
Aspekte (wie die Gesetzgebung in Bezug auf die Sicherheit und Gesundheitsschutz
am Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen, die Information und Konsultation
von Arbeitnehmern, die koordinierende Politik zur sozialen Sicherheit,
die Entwicklung des sozialen Dialogs ...) in den neuen Mitgliedstaaten
im gleichen Tempo entwickelt wie zum Beispiel die Wirtschafts- und Finanzpolitik
sowie die Handelspolitik. Es droht, dass die neuen Mitgliedstaaten die
sozialen Aspekte nicht als prioritär ansehen.
Die
EUCDA ist daher der Auffassung, dass die Europäische Union mit Blick
auf die sozialen Aspekte der Erweiterung mehr als einen Zahn zulegen
muss.
In diesem
Zusammenhang fordert sie:
- Unterstützung
(finanziell, materiell, in Bezug auf "know how") der Europäischen
Union bei der Entwicklung eines sozialen Dialogs bzw. von Gewerkschaften
in den neuen Mitgliedstaaten. Europa muss bei dieser Entwicklung die
Sozialpartner aus der heutigen Europäischen Union mit einbeziehen.
Dies muss auch finanziell gefördert werden.
- Initiativen
durch die EU, um bei der Umsetzung und Ausführung des gesetzlichen
Rahmens zu helfen
- Die Begleitung
der neuen Mitgliedstaaten durch die Europäische Union um Systeme der
sozialen Sicherheit gemäß dem Europäischen Modell zu entwickeln (siehe
unten, Kapital 5). Auch hierbei sind die Sozialpartner der heutigen
Mitgliedstaaten mit einzubeziehen. Da dies nicht innerhalb einer Legislaturperiode
verwirklicht werden kann, ist ein für die Umsetzung ein Zeitschema
zu erarbeiten.
2.
Eine transparente, gut regierte Europäische Union, die die partizipative
Demokratie hoch hält
Es
ist eine allgemein akzeptierte Feststellung, dass Europa mit einem demokratischen
Defizit zu kämpfen hat. Viele Menschen sehen die europäische Ebene als
fernab ihrer täglichen Erfahrungswelt. Außerdem haben die von ihnen
gewählten Vertreter im Europäischen Parlament auf vielen Gebieten noch
immer nicht das gleiche gesetzgebende Gewicht wie ihre Kollegen in den
verschiedenen Ministerräten.
In
den letzten Jahren versucht Europa, dieses demokratische Defizit zum
Teil dadurch zu beseitigen, dass die europäischen Bürgerinnen und Bürger
sowie die Zivilgesellschaft und die Sozialpartner bei der Vorlage von
Initiativen miteinbezogen werden (unter anderem über die verschiedensten
Mitteilungen und Grünbücher der Europäischen Kommission, auf die man
reagieren kann). Von einer echten Teilnahme der Europäischen Zivilgesellschaft
an der Politik der Europäischen Union kann man jedoch immer noch nicht
sprechen. Die Organisationen der Zivilgesellschaft müssen auch in der
Lage sein, den Dialog mit anderen Kulturen über die europäischen Grenzen
hinaus zu führen.
In diesem Zusammenhang
tritt die EUCDA für folgende Maßnahmen ein:
- In der Europäischen
Verfassung muss das Mitentscheidungsrecht des Europäischen Parlament
als Grundsatz verankert und in den verschiedenen Politikbereichen
ausgeführt werden (neben dem zweiten Grundsatz, dem Prinzip der qualifizierten
Mehrheit)
- Beschlussfassungsprozeduren
müssen - wie in der Europäischen Verfassung vorgelegt - vereinfacht
werden
- Die partizipative
Demokratie und Einbeziehung der Sozialpartner und der Zivilgesellschaft
in die europäische Politik muss weiterentwickelt werden. In diesem
Zusammenhang denkt die EUCDA an folgende Initiativen und Prinzipien:
- Das Festlegen
der Grundsätze der partizipativen Demokratie und Einbeziehung der
Sozialpartner (wie im Entwurf der Europäischen Verfassung vorgesehen)
- Unterstützung
von Seiten der Europäischen Union bei der Entwicklung einer Europäischen
Zivilgesellschaft, die mehr ist als die Summe der nationalen Zivilgesellschaften
und die eine Brücke bildet zwischen der EU und dem EU-Bürger
- die Anerkennung
der unterschiedlichen Rolle die der Europäische Soziale Dialog und
die Europäische Zivilgesellschaft spielen müssen. Die Sozialpartner
haben die einzigartige Befugnisse, im Rahmen der europäischen Sozialpolitik
europäische Verträge abzuschließen. Ihre Einflussmöglichkeit ist daher
schon zum Teil konkretisiert, und die teilnehmenden Partner sind bekannt.
Verfahren der Konsultation der Partner sind im Vertrag enthalten,
auch mit Blick auf die Europäische Beschäftigungspolitik. Die Zivilgesellschaft
kennt diese Befugnisse nicht. Und doch ist es wichtig, auch die hier
aktiven Organisationen anzuhören und in vielen Politikbereichen auch
mit einzubeziehen. Diese unterschiedliche Rolle muss auch in den verschiedenen
Europäischen Institutionen zum Ausdruck kommen, zum Beispiel im Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss.
- Das Verdeutlichen
was genau unter der Europäischen Zivilgesellschaft verstanden wird.
Für die EUCDA sind dies Vermittlungsstrukturen zwischen Regierung
und Bürgern, die die Sorgen und Nöte der Bürger, vor allem auch der
Schwächeren in der Gesellschaft, transportieren und die die Bürger
zu einem oder mehren Themen organisieren.
- Es muss sich
also eine repräsentative europäische Zivilgesellschaft entwickeln,
und dies gemäß einiger festgelegter Kriterien, u.a. mit Blick auf
die Anzahl der Länder, in denen eine Organisation aktiv sein muss,
auf die Zahl der vertretenen Bürger, auf ihre Fähigkeit, im Wesentlichen
auch ohne staatliche Hilfe zu funktionieren, oder auf die demokratischen
Verfahrensweisen innerhalb der Organisation.
3.
Wirtschafts- und Finanzpolitik als Instrument, nicht als Ziel-in-sich-selbst
Das
Europäische Projekt ist heute zu sehr auf wirtschaftliche Denkschablonen
ausgerichtet. Die Integration der verschiedenen Politikbereiche - zum
Beispiel Wirtschaft, Soziales, Umwelt, Erziehung - mit Blick auf Handlungsfähigkeit
auf europäischer Ebene ist noch zu gering ausgeprägt.
Dadurch
scheint wirtschaftliches Wachstum eher als Ziel in sich selbst (Wachstum
um des Wachstums willen) als ein Mittel (Wachstum um der Erreichung
anderer Ziele willen, wie z.B. Beschäftigung und sozialer Politik).
Es ist essentiell, die Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Funktion
von mehr Solidarität und Gerechtigkeit anzuwenden.
Dafür ist es aus
Sicht der EUCDA notwendig, dass
- ein makro-ökonomischer
Politikansatz entwickelt wird - sowohl mit Blick auf den Rat der Wirtschafts-
und Finanzminister (ECOFIN) als auch mit Blick auf die Europäische
Zentralbank - nach dem höhere Produktivität nicht automatisch zu einem
Abbau der Beschäftigung führt
- an diese Wirtschafts-
und Finanzpolitik eine Sozialpolitik gekoppelt wird, die ein hohes
Niveau des Schutzes der Arbeitnehmer (Lohn- und Beschäftigungsbedingungen,
Sicherheit und Gesundheitsschutz auf dem Arbeitsplatz …) einführt
- mit Blick auf
die langfristige Erhaltung des Stabilitätspakts Haushaltsüberschüsse
zur Bildung von Rücklagen verwandt werden
- gemäß den
Grundwerten und Grundzielen der Union eine stabilitätsorientierte
Geldpolitik auch auf die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und
die Schaffung von Vollbeschäftigung ausgerichtet ist; die Europäische
Zentralbank hat die Auswirkungen ihrer Politik auch auf diese Politikbereiche
zu berücksichtigen (im Rahmen des bestehenden Statuts). Notwendig
ist ein Beratungsorgan der Sozialpartner innerhalb der EZB, um mit
hierüber zu wachen
4.
Eine Europäische Steuerpolitik und steuerpolitische Koordination
Eines
der Hauptmankos der Europäischen Politik ist eine fehlende Steuerpolitik.
Um das Europäische Politische Projekt wirklich zu einem ausgereiften
Projekt zu entwickeln ist es absolut notwendig, dass Europa dieser Frage
mehr Aufmerksamkeit schenkt.
Die
Unterschiede in der Steuerpolitik (Unternehmenssteuern, Lohnlasten,
…) sind ein wichtiges Element der Konkurrenz innerhalb der Europäischen
Union; Unternehmen entscheiden sich auch aufgrund der (steuerlichen)
Bedingungen für einen bestimmten Unternehmensstandort. Eine Koordination
der Steuerpolitiken innerhalb der Europäischen Union drängt sich auf.
Die Steuerpolitik und die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme
sind eng miteinander verknüpft; Veränderungen in einem Bereich haben
Auswirkungen auf den anderen. Daher müssen sie prinzipiell dem gleichen
Abstimmungsverfahren (Einstimmigkeit, qualifizierte Mehrheit) unterliegen.
Des
weiteren treten wir dafür ein, dass eine Europäische Steuerpolitik (Europäische
Steuern) ermöglicht werden. Auf diese Manier können Europäische Einkommen
geschaffen werden, die für eine solidarische und soziale Politik zur
Verfügung stehen.
Die EUCDA plädiert
insbesondere für folgende Elemente:
- Steuerpolitische
Durchführungsmaßnahmen können mit Mehrheit angenommen werden, sofern
sie keine (negativen) Auswirkungen auf die Finanzierung der sozialen
Sicherungssysteme in den EU-Mitgliedstaaten haben
- Es muss eine
Europäische Steuerpolitik ausgearbeitet werden, nach der die Steuern
nach dem Prinzip der Progressivität erhoben werden (mit anderen Worten
: Gleiches wird gleich, Ungleiches ungleich behandelt), ·
- die Steuerlast
verschiebt sich von Arbeit hin zu Kapital (in diesem Zusammenhang
ist zu behandeln: die Frage der Kapitalbesteuerung, einer Europäischen
Vermögenssteuer, aber auch nicht progressiver Konsumsteuern wie Steuern
auf Umweltbelastungen (z.B. eine Europäische Energiesteuer) und Luxuskonsum)
In jedem Fall sind Regelungen in Bezug auf Freibeträge sowohl im Sparbereich
(u.a. auch mit Blick auf die private Altersvorsorge) als auch im Erbschaftsbereich
notwendig. Des weiteren darf diese Kapitalbesteuerung nicht zur Gefährdung
insbesondere von Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU's) führen
und ergo Arbeitsplätze in Gefahr bringen.
- Der Staat darf
nur das Mindestmass an notwendigen Steuern auferlegen. Notwendig ist
ein gesellschaftlicher Konsens über die Aufgaben des Staates (unter
Berücksichtigung von Preisstabilität, Wachstum und Beschäftigung).
Die Steuerpolitik ist ein Mittel, um die Erbringung dieser Aufgaben
sicherzustellen (die Steuerpolitik ist der Frage der staatlichen Aufgaben
untergeordnet, nicht umgekehrt).
5.
Das Europäische Soziale Modell weiter ausbauen
Wenn
wir eine vollwertige Europäische Union aufbauen wollen ist es notwendig,
dass das bestehende Europäische Sozialmodell weiter ausgebaut und vervollständigt
wird. Dieses Sozialmodell kann garantieren, dass wirtschaftliches Wachstum
und die Gesetzmäßigkeiten des (wirtschaftlichen) Wettbewerbs nicht zu
deren Nachteil von den Menschen, den Arbeitnehmern, den Kranken und
den Schwachen getrennt wird. Es kann garantieren, dass die Europäische
Union ein Raum des Zusammenlebens auf der Basis der Solidarität, der
sozialen Gerechtigkeit und der gleichen Chancen wird.
Um dieses Modell
weiter auszubauen ist es notwendig dass:
- auf Europäischem
Niveau der Focus gelegt wird auf "vollständige und qualitative Beschäftigung".
Dieses Prinzip muss in die Europäische Verfassung eingebaut und untere
anderem durch die Europäische Beschäftigungsstrategie realisiert werden,
gleichwertig zur wirtschafts- und finanzpolitischen Strategie, die
deshalb für die Mitgliedstaaten verbindlicher werden muss
- in die Europäische
Verfassung aufgenommen wird, dass die Beschlüsse mit Blick auf die
Sozialpolitik mit qualifizierter Mehrheit und Mitentscheidung des
Europäischen Parlaments beschlossen werden
- mit Blick auf
die sozialen Sicherungssysteme streben wir an, dass die Mitgliedstaaten
- u.a. im Sinne der weiteren Vereinfachung der Freizügigkeit - Hindernissen
im Bereich der sozialen Sicherungssysteme abbauen bzw. Initiativen
der verstärkten Zusammenarbeit ergreifen.
- die Europäische
Union weiter an der Verbesserung und der Vervollständigung des gesetzlichen
Rahmens eines hohen Niveaus des Arbeits- und Sozialschutzes arbeitet.
Dies bedeutet unter anderem:
- Aufmerksamkeit
für Europäische Mindeststandards mit Blick auf neue Formen von Sicherheits-
und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und korrekte Anwendung der bestehenden
Europäischen Gesetzgebung einschließlich der Nicht-Rückschrittsklausel
- Verbesserung
der Einbeziehung der Arbeitnehmer: einen besseren und vollständigeren
Rahmen für Information, Konsultation und Mitwirkung der Arbeitnehmer
- einen besseren
Europäischen Schutz via Überprüfung und Vervollständigung von Europäischen
Gesetzen mit Blick auf die Arbeitsbedingungen
- der Europäische
und nationale soziale Dialog - und damit auch die Einbeziehung der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer in die Beschäftigungs- und Sozialpolitik
- weiter entwickelt und stimuliert wird
- die Politik
der Mitgliedstaaten, die Beschäftigung von Menschen aus sogenannten
‚Risikogruppen' zu fördern, darf nicht durch Europäische (Wettbewerbs)regeln
untersagt werden (da sie sich direkt aus den Grundwerten und Grundzielen
der Union ableitet)
- mit Mitteln
der Europäischen Strukturfonds in der gesamten EU Menschen mit niedriger
Qualifikation oder einer Behinderung sowie Langzeitarbeitslose eine
Weiterbildung oder ein Arbeitsplatz angeboten werden muss, auch nach
der Erweiterung
- dass Europa
mehr für die Ärmeren und Schwächeren in unseren Gesellschaften tut
In Lissabon wurde die Basis gelegt für die Bekämpfung der Armut auf
Europäischer Ebene. Wir wünschen hier eine verbindlichere Politik;
als Kern mit einer Europäischen Vorschrift (Armutsnorm), mit der auch
ein Europäisches Mindesteinkommen eingeführt wird (unter Bezugnahme
auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in den einzelnen Mitgliedstaaten).
Daneben muss bei jedem Europäischen Beschluss überprüft werden, welche
Auswirkungen diese Maßnahme mit Blick auf die Armut hat. Dies alles
muss in ein neues Kapitel "Armutsbekämpfung" in den neuen Verfassungsvertrag
aufgenommen werden
- Europa mit mehr
Tatkraft jegliche Formen von Diskriminierungen bekämpft
- die Herausforderungen
der sozialen Sicherheit (Gesundheit, Renten) als soziale Herausforderungen
mit wirtschaftlichen (finanziellen) Aspekten angesehen werden, nicht
als wirtschaftliche (finanzielle) Herausforderungen mit sozialen Aspekten;
mit anderen Worten, dass auch die Europäische Sozialpolitik im Vordergrund
steht, nicht die Wirtschafts- und Finanzpolitik
- die Europäische
Union in Bezug auf die Renten- und Krankenversicherung in den Mitgliedstaaten
einen stabilen und existenzsichernden ersten (gesetzlichen) Pfeiler
fördert. Allen Menschen muss es möglich sein, ein qualitätsvolles
Leben zu führen; dies ist ein soziales Grundrecht. Renten müssen 'wohlstandsfest'
gemacht werden; in Praxis: sie sind an die Kaufkraft zu koppeln (Minimum:
Inflationsausgleich). Die Europäische Politik muss die Politik von
Mitgliedstaaten unterstützen, ihren Bürgerinnen und Bürgern dieses
Recht zu garantieren.
Mit Blick auf die Gefahr der Ausgrenzung von Bürgerinnen und Bürgern,
die sich eine Zusatzversicherung nicht leisten können, sind der der
zweiten Pfeiler (kollektive Versicherungen) und der dritten Pfeiler
(individuelle Versicherungen) nur als Ergänzung des ersten Pfeilers
anzusehen. Auf dieser Grundlage ist die Europäische Politik weiter
zu entwickeln.
- der Europäische
Ansatz mit Blick auf die soziale Sicherheit weiterentwickelt wird;
hierzu ist ein gesellschaftlicher Konsens notwendig. Dieser Europäische
Ansatz muss dazu führen, dass die verschiedenen nationalen Systeme
sozialer Sicherheit sich aufeinander zu entwickeln. Auf lange Sicht
hin muss Europa eine weitergehende Koordination sozialer Sicherheit
anstreben, basierend auf den Prinzipien der Solidarität und eines
hohen Niveaus sozialen Schutzes. Grundsätzlich sollte von Europäischer
Ebene aus eine Debatte darüber gefördert werden, wie die derzeitige
Belastung von Löhnen und Gehältern durch eine Änderung der Finanzierung
der sozialen Sicherungssysteme vermindert werden kann.
6.
Die Liberalisierung der Dienste von allgemeinem Interesse aufhalten
oder zumindest sozial und ökologisch korrigieren
Die
Europäische Union führt momentan ein Politik, die die Dienste von allgemeinem
Interesse (wie Strom und Gas, aber auch das Transportwesen, Post und
Telekommunikation) für den Wettbewerb öffnet.
Die
EUCDA ist gegen eine Liberalisierungsoperation um jeden Preis. Die Dienste
von allgemeinem Interesse sind Grunddienste die nicht dem Wettbewerb
um des Wettbewerbs willen geopfert werden dürfen. Diese Liberalisierung
wird allerdings innerhalb kurzer Zeit nicht oder nur sehr schwer zu
stoppen sein. Daher fordern wir, dass diese Liberalisierung sozial und
ökologisch begleitet und gestaltet wird.
- Europa muss
Verpflichtungen der öffentlichen Dienste ausarbeiten, wobei die essentiellen
Aspekte der Erbringung dieser Dienste beibehalten bleiben, wie Zugänglichkeit
des Basisdienstes für jeden, die Garantie der Qualität des Dienstes,
soziale Tarife für minder begüterte Menschen …
- ein weiteres
wichtiges Kriterium beim Beurteilen der Dienste ist ihr umweltfreundlicher
Charakter. Europa muss dafür sorgen, dass durch die Liberalisierung
dieser Dienste nichts von der Qualität der Umwelt eingebüsst wird
- Schließlich
muss Europa über die Auswirkungen der Liberalisierung für die Beschäftigung
wachen: Es ist gesellschaftspolitisch unakzeptabel, dass als Folge
der Liberalisierung hunderte, tausende Jobs ersatzlos verloren gehen
7.
Eine Europäische Union die nachhaltige Entwicklung fördert
Die
Europäische Union ist jüngst aktiv geworden für die Förderung nachhaltiger
Entwicklung; mit anderen Worten, für die soziale und ökologische Korrektur
der ökonomischen Dominanz wie sie noch stets in der Union vorherrscht.
Die EUCDA tritt
dafür ein, diesen Weg weiter fortzusetzen und meint, dass:
- die Europäische
Kommission weiterhin über die sozialen Folgen und die Folgen für die
Umwelt ihrer Entscheidungen wachen sollte, und ihre Entscheidungen
in diesem Sinn stets überprüfen sollte
- die Europäische
Strategie für nachhaltige Entwicklung weiter entwickelt werden sollte,
sodass die Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik gleichwertig beurteilt
werden kann
- Europa die Verantwortlichen
für nicht umweltgerechtes Verhalten mit strengen Maßnahmen anpacken
muss. Außerdem muss die notwendige Kommunikationsstrategie entwickelt
werden, um Zielgruppen zu informieren und zu sensibilisieren. Mit
anderen Worten: Europa muss auch an einer Änderung der Mentalität
verschiedener Zielgruppen arbeiten
- Europa seine
Verantwortung auf Weltniveau wahrnehmen muss und hierzu auch dauerhaft
von den Mitgliedstaaten beauftragt werden muss; Europa muss den großen
Staaten (Supermächten) in der Welt zeigen, dass es eine nachhaltige
Alternative gibt. Es muss dieses Modell auch bis zum Ende verteidigen
(wie es dies im Rahmen des Kyoto-Protokolls getan hat)
8.
Europa muss im Welthandel soziale und ökologische Aspekte verteidigen
Die
Europäische Union ist einer der wichtigsten Gesprächspartner auf Weltniveau,
insbesondere auch in der Welthandelsorganisation, die den Weg frei machen
will für den Welthandel. Die Europäische Union muss in diesem Gremium
für soziale und ökologische Korrekturen vom Welthandel in seinen heutigen
Strukturen eintreten.
- Die Europäische
Union muss dafür sorgen, dass die Welthandelsorganisation erweitert
wird von einer Zielsetzung, die ausschließlich auf das Aufheben sogenannter
Handelshemmnisse und die ungebremste Liberalisierung ausgerichtet
ist, hin zu einer Zielsetzung, die auch soziale und ökologische Aspekte
berücksichtigt. Der Welthandel und diese Aspekte sind miteinander
zu verknüpfen
- Die Europäische
Union muss in der Welthandelsorganisation die Verknüpfung vom Welthandel
mit fundamentalen sozialen Rechten erreichen, sodass Länder, die diese
Rechte - wie sie in der Internationalen Arbeitsorganisation erarbeitet
wurden - verletzen, mit Sanktionen rechnen müssen (die darf kein Argument
für Protektionismus sein)
- Die Europäische
Union muss in ihrer Politik in der Welthandelsorganisation ebenfalls
auf die besondere Situation von Entwicklungsländern achten; dies bedeutet
unter anderem das Eintreten für Vorzugstarife für Produkte, die aus
Entwicklungsländern kommen, wie auch Nahrungsmittelsicherheit für
diese Länder
- Europa muss
Anwalt sein für eine Politik im Arzneimittelmarkt, die darauf abzielt,
dass generische Arzneimittel für den weltweiten Gebrauch hergestellt
werden können
- Europa muss
die Einbeziehung der Zivilgesellschaft in dieses Thema fördern, die
Möglichkeiten eröffnen, sich zu treffen, zu vereinigen und seine Position
sowohl in Europa als auch weltweit deutlich zu machen
9.
Europa als Anwalt einer menschlichen Asyl- und Migrationspolitik
Die
EUCDA fordert, dass die Europäische Union eine menschliche Asyl- und
Migrationspolitik entwickelt. Es ist dringend notwendig; die Probleme,
die hiermit verbunden sind, grenzüberschreitend anzupacken.
Wichtige Forderungen
sind für uns:
- in der Asylpolitik:
Die Asylpolitik muss auf den Europäischen Leisten gespannt werden.
Auch muss auf Europäischem Niveau untersucht werden, auf welche Manier
auf berechtigte Asylanfragen, für die die Genfer Konvention heute
keine Antwort bietet, wie auch die Aktualisierung der Asylgründe,
reagiert werden kann
- in der Migrationspolitik:
Europa muss ein Vorbild sein was die menschliche und respektvolle
Behandlung aller Migranten und ihrer Familien betrifft. Die Konvention
der Vereinten Nationen vom 18. Dezember 1990, die einen Rahmen von
Basisschutzrechten aufstellt, muss von allen Mitgliedstaaten der EU
ratifiziert und angepasst werden. In Europäischer Perspektive muss
nach einer positiven Einwanderungspolitik gesucht werden, die den
Interessen aller betroffenen Akteure gerecht wird.
10.
Das Europanisieren einer unabhängigen Politik internationaler Zusammenarbeit
Die
Europäische Politik mit Blick auf internationale Zusammenarbeit wird
augenblicklich stiefmütterlich behandelt und ist größtenteils begrenzt
auf Nothilfe. Wir fordern, dass eine umfassende Europäische Politik
der internationalen Zusammenarbeit entwickelt wird, die
- unabhängig
ist von der Außenpolitik der Union und die eigenen Zielsetzungen folgt,
wie dem Aufbau von Erziehungs- und Bildungsangeboten, von Gesundheitssystemen
… in Entwicklungsländern
- dem sozialen
Mittelfeld in Ländern der EU Mittel zur Verfügung stellt, um in Entwicklungsländern
ein soziales Mittelfeld zu entwickeln
11.
Europa muss eine präventive Politik führen um den Frieden in der Welt
zu sichern
Europa
arbeitet an der Entwicklung einer koordinierten Außen- und Sicherheitspolitik,
um gemeinsam die Friedenssicherung zu gewährleisten. Dazu gehört derzeit
auch der Aufbau militärischer Kapazität. Die EUCDA tritt vor allem dafür
ein, dass Europa den Frieden in der Welt durch vorbeugende Maßnahmen
sichert.

Die
Europäische Union Christlich Demokratischer Arbeitnehmer (EUCDA) besteht
aus 23 Arbeitnehmerorganisationen aus 15 Ländern und ist eine Vereinigung
der Europäischen Volkspartei (EVP).
Verantwortlich:
Nach Vorstandsbeschluss - Christoph Weisskirchen, Generalsekretär


Für
weitere Informationen:
EUCDA
Europäische Union Christlich-Demokratischer
Arbeitnehmer
c/o EVP, Rue du Commerce / Handelsstraat 10
B-1000 Brüssel
E-mail: EUCDA
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